Wer mich kennt, weiß: Ich bin seit der PYXIS 6K tief im Blackmagic-Kosmos unterwegs. DaVinci Resolve ist längst mein Schnittprogramm der Wahl. Umso gespannter war ich auf den großen Wurf zur NAB 2026 – und Blackmagic liefert. DaVinci Resolve 21 ist da. Und dieses Release hat es in sich. Besonders für alle, die bisher noch brav ihre Adobe-Abo-Rechnung überweisen.
Die Public Beta steht seit dem 14. April 2026 kostenlos zum Download bereit – und bei all dem, was drin steckt, kann man das fast schon als Frontalangriff auf Adobes Creative Cloud werten. Warum? Lass mich dir das kurz aufdröseln.
Das Headline-Feature: Eine Photo Page, die Lightroom das Leben schwer macht

Die eigentliche Bombe: Mit Version 21 bekommt DaVinci Resolve eine komplett neue Photo Page. Ja, richtig gelesen. Du kannst jetzt direkt in Resolve deine Fotos importieren, verwalten, entwickeln und exportieren. RAW-Support für Canon, Sony, Nikon, Fujifilm und sogar Apple ProRAW ist serienmäßig dabei. Tethering für Sony- und Canon-Kameras gibt es obendrauf – inklusive Live-Kontrolle über ISO, Blende und Weißabgleich.
Was Blackmagic damit ganz offen ankündigt: Sie wollen an Adobe Lightroom ran. Die ersten Hands-On-Berichte bestätigen: Der Angriff ist ernst gemeint.
Node-basiert statt Slider-Stack
Der größte Unterschied zu Lightroom: Während Adobe dich durch einen Stapel linearer Regler klickt, arbeitest du in Resolve mit Nodes. Du baust dir eine komplette Grading-Pipeline für dein Foto auf – exakt so, wie du es vom Video kennst. Primary Grading, Kurven, Qualifier, Power Windows, bis zu acht Layer im Node-Stack.
Für Lightroom-Umsteiger ist das erstmal ungewohnt. Aber die Präzision, die du damit bekommst, ist auf einem anderen Level. Und: Der gleiche Look, den du für dein Video-Projekt baust, läuft per Shared Node auch auf deinen Stills. Ein Look, ein Workflow, ein Album.
Die gleichen AI-Tools wie beim Video
Und jetzt kommt der eigentliche Gamechanger: Alle AI-Tools der Studio-Version (DaVinci Resolve Studio, einmalig 295 US-Dollar) laufen auch auf deinen Fotos.
- AI IntelliSearch: Tausende Bilder per Natural-Language-Suche durchforsten („Finde alle Porträts mit rotem Hintergrund“)
- AI CineFocus: Fokuspunkt nachträglich verschieben, Bokeh realistisch anpassen
- AI Face Age Transformer: Gesichter altern oder verjüngen
- AI Face Reshaper: Gesichtsproportionen flexibel anpassen
- AI Blemish Removal: Hautretusche per Klick
- AI UltraSharpen: Schärft auch leicht unscharfe Aufnahmen auf
- AI Motion Deblur: Bewegungsunschärfe-Artefakte korrigieren
Das sind Features, für die Lightroom-Nutzer teure Plugins brauchen – oder gleich nach Photoshop wechseln müssen. Hier läuft alles nativ in einer App.
Was sich sonst noch getan hat
Die Photo Page ist zwar das Marketing-Highlight, aber unter der Haube gibt es noch einiges mehr, was im Alltag einen echten Unterschied macht.
Immersive Video und VR-Workflows
Resolve 21 hat den bisher umfangreichsten Support für immersive Formate: Direkt-Export für Meta Quest und YouTube VR, Spherical Panomap-Rotation für intuitive 360°-Kontrolle (Pitch, Tilt, Pan, Yaw, Roll) und ILPD-Retargeting im Fusion-Workspace. Wer VR-Content produziert, bekommt hier endlich ein vollwertiges Pipeline-Tool – ohne Zwischenstationen.
Verbesserungen in den Standard-Pages
- Cut & Edit: Neues Picture-in-Picture ResolveFX (endlich!), Bezier-Kurven beim Retiming, neue Easing-Optionen bei Loops
- Color: Bis zu 8 Layer im Node-Stack, Render-in-Place für Magic Mask, bessere HDR-Scopes
- Fairlight: Folder-Funktion für bessere Spurorganisation
- Cloud: Bis zu 3× schnellere Synchronisation mit Blackmagic Cloud
- Rendering: MainConcept-Encoder für H.265 und MV-HEVC – 4:2:2 und hardwarebeschleunigt
Dazu über 50 neue Features und laut Blackmagic „hunderte“ kleine Quality-of-Life-Verbesserungen. Klingt nach Marketing-Floskel, aber wer schon mal Resolve-Release-Notes gelesen hat, weiß: Das ist meistens nicht übertrieben.
Was bedeutet DaVinci Resolve 21 für Adobe?

Jetzt wird es spannend. Denn Blackmagic macht etwas, was Adobe strukturell kaum kontern kann: Sie bündeln, während Adobe fragmentiert.
Ein Programm statt fünf
Wer bei Adobe arbeitet, kennt das Spiel: Lightroom zum Sortieren, Photoshop zum Retuschieren, Premiere zum Schneiden, After Effects für VFX, Audition für Audio. Fünf Programme, fünf Interfaces, fünf Render-Queues, fünf Preferences-Fenster. DaVinci Resolve 21 macht alles in einer Oberfläche. Foto, Video, Color, Audio, VFX, Motion Graphics – eine App, ein Projekt, ein Workflow.
Für alle, die ohnehin fließend zwischen Foto und Video wechseln – also fast alle Content Creator heute – ist das ein echtes Argument. Kein Export-Import-Ping-Pong mehr. Kein Warten auf Programm-Starts. Kein Kopfzerbrechen über Dateiformate zwischen Apps.
Kauf statt Abo: Die Rechnung, die wehtut
Der zweite Punkt, der Adobe strukturell trifft: das Geschäftsmodell.
- Adobe Fotografie-Abo: ca. 12 €/Monat = 144 €/Jahr – dauerhaft
- Adobe Creative Cloud All Apps: ca. 72 €/Monat = 864 €/Jahr – dauerhaft
- DaVinci Resolve (Free): kostenlos – reicht für viele Anwendungsfälle
- DaVinci Resolve Studio: einmalig 295 US-Dollar – inklusive aller künftigen Updates
Nach zwei Jahren Adobe-Abo hättest du dir Resolve Studio dreimal gekauft. Und die Rechnung geht jedes Jahr weiter. Wer fünf Jahre lang Creative Cloud bezahlt hat, hat mehr als 4.000 Euro bei Adobe gelassen – und besitzt am Ende nichts davon.
Aber: Adobe ist noch nicht tot
Fair bleiben: Lightroom hat nach wie vor die feinere Fotoverwaltung mit Content Credentials, Wasserzeichen und Post-Processing-Workflows. Photoshop ist bei Pixel-Level-Retusche, komplexem Masking und Multi-Image-Compositing immer noch die Referenz – das kann die Photo Page (noch) nicht. Und Adobes Ökosystem ist in Agenturen und Corporate-Strukturen tief verankert.
Aber: Resolve 21 ist erst der Anfang. Blackmagic hat bewiesen, dass sie schnell nachlegen können. Viele Videografen sind längst von Premiere zu Resolve gewechselt – ich selbst gehöre dazu. Wenn die Photo Page in den nächsten Versionen auf Lightroom-Niveau zieht, dürfte auch im Foto-Bereich einiges in Bewegung geraten.
Für wen lohnt sich der Umstieg?
Kurze Ehrlichkeit: Nicht für jeden – aber für immer mehr.
Du solltest ernsthaft wechseln, wenn:
- Du regelmäßig Foto und Video mischst (Content Creator, Event-, Hochzeits- oder Konzertfotografen)
- Du bereits in Resolve arbeitest und für Fotos bisher zu Lightroom gewechselt bist
- Du Abo-Kosten satt hast und auf Einmalzahlung setzen willst
- Du mit BRAW oder anderen RAW-Formaten produzierst, die Adobe nur bedingt unterstützt
- Du von der Node-basierten Color-Pipeline profitieren willst
- Bleib bei Adobe, wenn:
- Du Profi-Fotograf bist und auf Lightrooms Bibliotheks-Management angewiesen bist
- Deine Retusche-Workflows tief auf Photoshop-Ebene laufen (Layer, Paths, Smart Objects)
- Dein Team oder deine Agentur komplett auf Creative Cloud standardisiert ist
Mein Fazit: Adobe muss sich warm anziehen

DaVinci Resolve 21 ist für mich das wichtigste Release, seit Resolve vor Jahren die Cut-Page bekommen hat. Die Photo Page ist noch Beta, sie hat an der ein oder anderen Stelle Rauhigkeiten – aber sie zeigt glasklar, wohin Blackmagic will: Ein Tool. Für alles. Einmal bezahlt.
Für mich persönlich heißt das: Ich werde den neuen Workflow in den nächsten Wochen intensiv testen. Meine Event-Fotos aus Köln, die ich bisher in Lightroom entwickelt habe, laufen jetzt durch den Photo-Page-Test. Wenn das hält, was die Beta verspricht, fällt bei mir ein Adobe-Abo weg.
Und genau das ist der Punkt: Jeder Adobe-Kunde, der sich das jetzt ernsthaft überlegt, ist für Adobe ein Problem. Blackmagic hat nicht einfach „ein Feature“ gebaut. Sie haben die Grundannahme des Creative-Cloud-Modells angegriffen – nämlich dass man für jeden Creative-Job ein anderes Programm (und damit ein anderes Abo) braucht.
Die Beta von DaVinci Resolve 21 steht auf der Blackmagic-Website kostenlos zum Download. Wer mich fragt: Einfach mal runterladen, installieren und ausprobieren. Es kostet nichts außer Zeit – und Adobe hoffentlich ein bisschen Schweiß auf der Stirn.
Quellen & weiterführende Links
- Offizielle Pressemitteilung: Blackmagic Design – DaVinci Resolve 21 Announcement (14.04.2026)
- Produktseite: blackmagicdesign.com – What’s New in DaVinci Resolve 21
- Feature Guide (PDF): DaVinci Resolve 21 New Features Guide
- Hands-On & Analyse: Engadget – DaVinci Resolve 21 hands-on · Y.M.Cinema – DaVinci Resolve 21 Hits Adobe Where It Hurts
- Bildmaterial: Alle Produkt- und Screenshot-Bilder in diesem Artikel: © Blackmagic Design Pty. Ltd. – verwendet unter redaktioneller Nutzung aus dem offiziellen Pressematerial.
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